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Der Hochhausbrand in Hongkong 2025 war ein Großbrand, der am 26. November 2025 in der Wohnanlage Wang Fuk Court im nördlichen Hongkong-Distrikt Tai Po ausbrach und sieben der acht Hochhäuser der Anlage erfasste. Bei dem Brand kamen 168 Menschen ums Leben, 79 wurden verletzt und fast 5000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Nach über 43 Stunden intensiven Lösch- und Rettungsarbeiten konnte das Feuer am Vormittag des 28. November vollständig unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Der Brand gilt als die schlimmste Feuerkatastrophe in der Geschichte von Hongkong seit 1948.
Die betroffene Anlage besteht aus acht jeweils 31-stöckigen Apartmentgebäuden, die insgesamt 1984 Wohneinheiten umfassten. Nach der Volkszählung von 2021 lebten dort etwa 4600 Menschen, von denen rund 40 % mindestens 65 Jahre alt waren. Während des Unglücks waren Renovierungsarbeiten im Gange, bei denen die Gebäude von Bambusgerüsten, Seitenschutznetzen und Planen bedeckt waren, die das Feuer aufgrund ihrer leicht entflammbaren Materialien und der dichten Anordnung erheblich beschleunigten und die Ausbreitung über die Hochhäuser begünstigten.
Verlauf
Ausgangspunkt des Brandes waren die Bambusgerüste des Wang-Cheong-Hochhauses, von denen aus das Feuer in das Innere und auf sieben der acht benachbarten Hochhäuser übergriff. Das Feuer wurde erstmals um 14:51 Uhr Ortszeit (07:51 Uhr MEZ) gemeldet. In den etwa 6 Minuten, welche die Feuerwehr zur Einsatzstelle benötigte, hatte sich der Brand bereits rapide ausgebreitet. Um 18:14 Uhr wurde die Zahl der Todesopfer auf mindestens fünf, darunter einen Feuerwehrmann, beziffert. Die Polizei sperrte die Zufahrtsstraßen ab und evakuierte die umliegenden Wohnblocks. Um 18:22 Uhr wurde der Brand als Kategorie 5 (die höchste Kategorie) eingestuft. Das Feuer war der erste Brand dieser Kategorie seit 2008 in Hongkong.
Um 21:00 Uhr Ortszeit standen die sieben betroffenen Gebäude weiterhin in Flammen und 128 Feuerwehrfahrzeuge, 57 Krankenwagen und 767 Feuerwehrleute waren vor Ort im Einsatz. Die Feuerwehr kämpfte über Nacht gegen die Flammen, hatte jedoch große Schwierigkeiten, die oberen Stockwerke der 31-stöckigen Türme zu erreichen. Herabfallende Trümmer und extreme Hitze behinderten die Rettungsarbeiten erheblich. Am nächsten Morgen gegen 6 Uhr, etwa 15 Stunden nach dem Ausbruch des Großbrandes, waren immer noch etwa 800 Feuerwehrleute im Einsatz und konnten den Brand in vier der Gebäude unter Kontrolle bringen. Such- und Rettungseinsätze konnten daraufhin in den untenliegenden Etagen gestartet werden. Die Behörden gaben zu diesem Zeitpunkt die Zahl der Todesopfer mit 44 an. Etwa 24 Stunden nach dem Brandausbruch erhöhte sich die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 55. Der Verbleib weiterer 279 Personen aus den Wohnblocks blieb ungeklärt, sodass mit einem Anstieg der Opferzahlen gerechnet wurde. Nach über 43 Stunden konnte das Feuer am Freitag um 10:18 Uhr Ortszeit (03:18 Uhr MEZ) vollständig gelöscht werden.
Hintergrund
Wang Fuk Court ist ein 1983 im Rahmen des öffentlichen Wohnungsbaus von der staatlichen Hong Kong Housing Authority (HKHA) errichteter Apartmentkomplex im Bezirk Tai Po. Die Wohnungen gingen direkt in das Privateigentum der Bewohner über; die Anlage wird seitdem von einer Eigentümergemeinschaft verwaltet, die externe Dienstleister mit Verwaltung, Instandhaltung und spezielleren Aufgaben vor Ort beauftragt. Die Wohnsiedlung umfasst acht 31-stöckige Wohnblöcke mit 1984 Wohnungen, die zu den höchsten Gebäuden in Tai Po zählen. Laut Census von 2021 lebten hier rund 4600 Personen.
Im Jahr 2016 wurde eine Sanierung durch Prestige Construction and Engineering Co. Ltd genehmigt, nachdem die Wohnungsbehörde Hongkongs aufgrund des Alters der Gebäude eine obligatorische Inspektion von Gebäuden und Fenstern angeordnet hatte. Nach acht Jahren Planung begannen die Arbeiten Anfang 2024. Die Kosten für die Sanierung sollten 330 Millionen Hongkong-Dollar betragen, Fassadenarbeiten, Struktursanierungen und Abdichtungsarbeiten einschließen und bis zum zweiten Quartal 2026 andauern. Der Auftrag zog Vorwürfe mit sich, dass für die Arbeiten das teuerste Angebot gewählt worden sei, obwohl die Kosten von der Eigentümergemeinschaft getragen werden musste. Im September 2025 gingen beim Hongkong Labour Department mehrere Beschwerden von Eigentümern über die Renovierungsarbeiten, speziell die angebrachten Sicherheitsnetze ein. Die Behörde wies diese jedoch zurück, da die Brandschutzordnung solche Netze nicht umfasste und Inspektionen sie als unbedenklich eingestuft hätten. Gleichzeitig räumte das Department ein, dass in mehreren Inspektionen der Hochhäuser der allgemeine Brandschutz bemängelt wurde, zuletzt in einer Inspektion eine Woche vor dem Brand. Laut dem Internetauftritt der Verwalter des Wang Fuk Court wurden seit dem 10. des Monats die Innenwände gestrichen, die Außenwände verputzt und besprüht sowie Mosaikfliesen verlegt. Zum Zeitpunkt des Brandes waren die Reparaturen an den Außenwänden noch im Gange, und alle acht Gebäude waren von Bambusgerüsten und grünen Bauschutznetzen umbaut.
Die Region war zur Zeit der Brände sehr trocken, mit relativen Luftfeuchtigkeiten von 50 % und niedriger. Am Montag vor dem Brand hatte die Hongkonger Wetterwarte daher die höchste Feuerwarnstufe herausgegeben, die bis zum Zeitpunkt des Brandes in Kraft blieb.
Opfer
Bei dem Brand kamen 168 Menschen ums Leben, 79 wurden verletzt und zeitweise über 200 Personen vermisst. Bis zum frühen morgen des zweiten Brandtages wurden mindestens zwanzig Leichen geborgen, am Mittag wurde die Zahl der durch Einsatzkräfte Geretteten auf 56 beziffert. Unter den Toten war ein 37-jähriger Feuerwehrmann der Sha-Tin-Wache, der beim Einsatz ums Leben kam.
Ermittlungen
In den frühen Morgenstunden des 27. November nahm die Hongkonger Polizei drei Männer im Alter zwischen 52 und 68 Jahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgrund grober Fahrlässigkeit fest. Bei den Festgenommenen handelte es sich um zwei Unternehmensdirektoren und einen Berater des Bauunternehmens Prestige Construction & Engineering Co, deren Büroräume noch am selben Tag von der Polizei durchsucht wurden. Hierbei wurden mehrere Kisten mit Dokumenten als Beweismittel beschlagnahmt. Am Freitag, dem 28. November, nahm die Independent Commission Against Corruption von Hongkong weitere acht an der Renovierung der Wohnhochhäuser beteiligte Personen fest. Stand 2. Dezember 2025 wurden insgesamt 15 Personen wegen des Verdachts auf Totschlag sowie 12 weitere im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen festgenommen. Ob einzelne Beschuldigte in beiden Verfahren betroffen sind, war bis dahin nicht geklärt.
Die ersten polizeilichen Ermittlungen ergaben drei mögliche Verstöße gegen den Brandschutz im Gebäudekomplex, welche die Brandausbreitung ungewöhnlich stark beschleunigt haben sollen:
- Schaumplatten in den Fensterbereichen, wahrscheinlich Platten aus expandiertem Polystyrol (EPS, bekannt als Styropor), welche als leicht entzündlich und hoch brennbar gelten.
- Schutznetze und wasserdichte Planen an den Bambusgerüsten, deren brandschutzrechtliche Zulässigkeit umstritten ist.
- Fehlerhafte Brandmeldeanlagen, deren Alarme in allen acht Hochhäusern nicht ordnungsgemäß funktioniert haben sollen.
Die Polizei erklärte, sie habe Grund zu der Annahme, dass der verantwortliche Auftragnehmer „grob fahrlässig“ gehandelt habe, was den Vorfall ausgelöst und eine unkontrollierte Brandausbreitung mit zahlreichen Opfern ermöglicht habe.
Die Hongkonger Polizei und die Feuerwehr richteten ein spezialisiertes Ermittlungsteam ein, um die Brandursache zu klären.
Notversorgung
Insgesamt mussten im Zuge des Brandes fast 5000 Personen umgesiedelt werden. Darunter über 900 Bewohner, die mit Brandausbruch in temporären und bestehenden Notunterkünften untergebracht werden mussten. Etwa 500 Bewohner waren am Mittag des 27. November in neun Notunterkünften untergebracht, die eine 1:1-Betreuung erhalten sollten. Ergänzend richteten die Behörden Koordinationszentren ein, um Notfälle besser zu überwachen und Hilfsmaßnahmen zu bündeln. Jeder betroffene Haushalt wurde durch einen eigenen Sozialarbeiter betreut, Hotlines für Angehörige der Bewohner wurden eingerichtet und an mehreren Schulen der Unterricht ausgesetzt.
Nachwirkungen
Die Regierung Hongkongs stellte am 27. November 2025 einen Unterstützungsfonds ein, der Familien je 10.000 HK$ (ca. 1.287 USD) Soforthilfe gewährte; der Fonds erreichte über 1,2 Mrd. HK$ (154 Mio. USD) durch Spenden und staatliche Zuschüsse. Weitere Leistungen umfassten 200.000 HK$ pro Todesopfer, 50.000 HK$ für Beerdigungen, monatliche Lebensunterhaltszahlungen ab Dezember sowie der Verzicht auf Urnengebühren; das Sozialwohlfahrtsamt verteilte Octopus-Karten mit 2.000 HK$ Guthaben. Der Wert der bei dem Brand zerstören Wohnungen wurde auf etwa 5 Mrd. HK$ geschätzt.
Im Januar 2026 teilte der für den Tai Po District zuständige Stadtrat mit, es werde zeitnah mit dem öffentlich geförderten Ersatzbau der Wohnanlage, mit einer Kapazität von etwa 1600 Wohneinheiten, auf einem in der Nähe von Wang Fuk Court gelegenem Grundstück, begonnen. Die Fertigstellung sei für 2029 oder 2030 geplant.
Im April 2026 erhielten die Überlebenden des Großbrandes erstmals wieder Zugang zu ihren Wohnungen. Die Besuche erfolgten unter behördlicher Aufsicht und waren auf jeweils drei Stunden pro Termin begrenzt. Ebenfalls im April 2026 entschied die Wohnungsbehörde, auf eine Neuentwicklung des betroffenen Geländes vorerst zu verzichten. Als Gründe wurden der hohe Zeitaufwand und bestehende Unsicherheiten genannt. Stattdessen plante die Regierung, die Eigentumsanteile der Bewohner finanziell abzulösen.
Siehe auch
- Liste von Brandkatastrophen
- Liste von Brandkatastrophen in Hongkong
Weblinks
Einzelnachweise
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